

Eine Aussicht in Marbella kaufen: wofür Sie zahlen und was sie schützt
Beim Kauf einer Immobilie in Marbella mit Aussicht ist es entscheidend zu prüfen, was die Sichtlinien schützt. Verstehen Sie die verschiedenen Aussichtstypen, Höhenlagen und Schutzstufen, um den Wert Ihrer Investition zu sichern.
Kernaussagen
- Beim Kauf einer Immobilie in Marbella mit Aussicht ist es entscheidend, die Schutzfaktoren zu verstehen, da Aussichten nicht dauerhaft sind.
- Prüfen Sie die Parzellen zwischen Ihrer Immobilie und dem Horizont, deren planungsrechtlichen Status und was dort gebaut werden könnte.
- Berücksichtigen Sie die Art des Schutzes (Topografie, gesetzlich, private Freifläche, unbebautes Land) und bewerten Sie die Aussicht entsprechend.
- Besichtigen Sie die Immobilie zu verschiedenen Tageszeiten und Jahreszeiten, um die Aussicht unter verschiedenen Bedingungen zu beurteilen.
- Eine geschützte Aussicht ist wertvoller als eine ungeschützte, da sie ihren Wert besser behält und nicht von der Untätigkeit eines Nachbarn abhängt.
Stehen Sie an einem klaren Nachmittag auf einer Terrasse in den Hügeln oberhalb von Marbella, reicht der Blick über das Mittelmeer und die geschwungene Küstenlinie bis nach Gibraltar und an besonders klaren Tagen bis zu den Bergen Marokkos. Für viele ist genau diese Aussicht einer der Gründe, hier eine Immobilie zu kaufen. Und entsprechend hoch wird sie am Markt bewertet.
Erstaunlich ist nur, wie selten Käufer die naheliegende Frage stellen: Wird diese Aussicht in fünf, zehn oder zwanzig Jahren noch dieselbe sein?
Eine Küche lässt sich ersetzen, ein Badezimmer modernisieren und ein Garten neu gestalten. Eine Aussicht nicht. Dennoch zahlen Käufer, die vor dem Kauf selbstverständlich einen Gutachter das Dach prüfen lassen würden, mitunter einen sechsstelligen Aufpreis für einen Ausblick, den sie ein einziges Mal gesehen haben, im Juni, um fünf Uhr nachmittags.
Denn eine Aussicht ist keineswegs automatisch von Dauer. Ein unbebautes Grundstück kann bebaut werden. Eine benachbarte Villa kann erweitert oder durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Bäume wachsen. Bauvorschriften und Planungsgrundlagen können sich ändern. Was heute wie ein unverbaubares Panorama wirkt, kann in Wirklichkeit von Grundstücken, Gebäuden und planerischen Entscheidungen abhängen, auf die Sie keinerlei Einfluss haben.
In diesem Leitfaden geht es deshalb um eine Frage, die beim Immobilienkauf in Marbella viel mehr Aufmerksamkeit verdient: Was kaufen Sie eigentlich, wenn Sie einen Aufpreis für die Aussicht bezahlen? Wie gut ist dieser Ausblick tatsächlich geschützt, was könnte ihn in Zukunft beeinträchtigen und was sollten Sie prüfen, bevor Sie dafür einen erheblichen Aufpreis zahlen?

Die verschiedenen Arten von Aussicht und was sie wert sind
Meerblick erzielt in der Regel den höchsten Aufpreis, doch Meerblick ist längst nicht gleich Meerblick. Ein schmaler Streifen Blau zwischen zwei Gebäuden, ein seitlicher Blick von einer Ecke der Terrasse und ein freies Mittelmeerpanorama werden in Immobilienanzeigen gerne unter demselben Begriff zusammengefasst. Entscheidend ist deshalb, was Sie tatsächlich von den Wohnräumen und Terrassen aus sehen, die Sie täglich nutzen werden, und nicht, welcher Blick sich aus dem günstigsten Fotowinkel oder vom höchsten Punkt der Immobilie bietet.
Bergblick, insbesondere auf La Concha, hat einen ganz eigenen Wert. In Teilen des Golftals und in den Hügeln von Benahavís kann er sogar eindrucksvoller sein als der Blick aufs Meer, vor allem wenn sich im Vordergrund eine gewachsene Landschaft erstreckt. Ein solcher Ausblick kann zudem weniger anfällig für künftige Bebauung sein. Darauf sollte man sich jedoch nie verlassen, ohne zuvor die planungsrechtliche Situation der dazwischenliegenden Grundstücke zu prüfen.
Golfblick bietet eine andere Qualität. Weite, viel Grün und eine gepflegte Landschaft unmittelbar vor der Immobilie. Besonders in Nueva Andalucía und Gebieten wie El Paraíso bilden Immobilien in erster Golflinie oder mit erhöhtem Blick über die Fairways ein eigenes Marktsegment. Ein Golfblick ist jedoch kein Meerblick, und entsprechend sollte er auch nicht bewertet werden. Dass beide ein Gefühl von Weite vermitteln, macht sie nicht gleichwertig.
Wald und Landschaft gehören vielleicht zu den am meisten unterschätzten Aussichten. Ist das Land vor der Immobilie tatsächlich vor Bebauung geschützt, kann der Blick über ein bewaldetes Tal oder eine offene Naturlandschaft etwas bieten, das rund um Marbella zunehmend selten wird: einen weitgehend ungestörten Ausblick mit guten Voraussetzungen dafür, dass er auch langfristig erhalten bleibt. Einige der besten Beispiele dafür finden sich in den Hügeln von Benahavís.
Und dann gibt es die Kombination, die häufig ganz oben im Markt angesiedelt ist. Genügend Höhe für den Blick über das Mittelmeer und die Küste, vielleicht bis Gibraltar und Afrika, dazu Berge und ein attraktiver, unverbauter Vordergrund.
Entscheidend ist dabei nicht nur, wie viel Sie sehen. Entscheidend ist, wie viel davon voraussichtlich so bleiben wird.

Höhenlage: Warum eine Etage mehr so viel ausmachen kann
Am Hang verbessert sich die Aussicht nicht gleichmäßig mit jedem Höhenmeter. Manchmal macht schon eine einzige Ebene den entscheidenden Unterschied.
Ein Grundstück, das nur etwas höher liegt als das benachbarte, kann bereits über dessen Dach hinwegsehen und plötzlich den Blick auf einen Küstenabschnitt freigeben, der von der tiefer gelegenen Immobilie überhaupt nicht sichtbar ist. Zwei ansonsten vergleichbare Häuser in derselben Straße, mit ähnlichen Grundstücken, vergleichbarer Ausrichtung und Ausstattung, können deshalb deutlich unterschiedliche Preise erzielen. Auf dem Grundriss ist der Grund dafür nicht zu erkennen.
Dasselbe erklärt die teilweise erheblichen Preisunterschiede zwischen einem Penthouse und den Wohnungen direkt darunter. Besonders deutlich zeigt sich das im Golftal und in Marbellas Hanglagen. Eine einzige zusätzliche Etage kann genügen, um über das Gebäude davor hinwegzusehen. Die Wohnung darunter bietet vielleicht einen schönen, aber eingeschränkten Ausblick, während sich vom Penthouse ein freies Panorama eröffnet.
Auch die Ebene, von der aus Sie die Aussicht genießen, spielt eine Rolle. Meerblick vom Dachsolarium ist nicht dasselbe wie Meerblick aus dem Wohnzimmer. Wenn Sie erst eine Etage nach oben gehen müssen, um das Meer zu sehen, sollte dieser Ausblick nicht denselben Wert haben wie ein Meerblick, der Teil des täglichen Wohnens ist.
Die praktische Regel ist einfach: Beurteilen Sie die Aussicht aus den wichtigsten Wohnräumen und von der Terrasse, die Sie tatsächlich nutzen werden. Beim Kauf vom Plan sollten Sie sich außerdem die Sichtlinien für genau die Wohnung und Etage zeigen lassen, die Sie in Betracht ziehen. Ein Rendering kann vermitteln, wie das fertige Projekt aussehen soll. Was Sie von Ihrer konkreten Immobilie aus tatsächlich sehen werden, kann es allein nicht belegen.

Die vier Schutzstufen einer Aussicht
Diesen Abschnitt lohnt es sich zweimal zu lesen. Denn der Unterschied zwischen einer tatsächlich geschützten Aussicht und einem Ausblick, der heute lediglich unverbaut ist, kann Hunderttausende Euro ausmachen.
Stufe 1: Topografie
Der stärkste Schutz und das, was einer dauerhaft gesicherten Aussicht am nächsten kommt.
Fällt das Gelände vor einer Immobilie steil genug ab, wird die Topografie selbst zum Schutz. Ein Haus auf einem Höhenrücken, oberhalb eines tiefen Tals oder an einem starken Gefälle ist wesentlich weniger gefährdet, dass eine spätere Bebauung die entscheidenden Sichtachsen beeinträchtigt, als eine Immobilie mit ebenem Gelände davor.
Bei jedem Hanggrundstück sollte deshalb zuerst geklärt werden, was auf dem Land davor überhaupt möglich ist. Entscheidend ist nicht, was dort heute steht, sondern ob dort ein Gebäude entstehen könnte, das hoch genug wäre, um die Aussicht zu beeinträchtigen.
Stufe 2: Rechtlich geschützte Flächen
Ein starker Schutz, wenn auch nicht vollkommen unveränderlich.
Flächen, die beispielsweise als Naturraum, Waldgebiet, geschütztes Dünensystem oder aufgrund der spanischen Küstenschutzbestimmungen besonderen Beschränkungen unterliegen, können nicht ohne Weiteres bebaut werden. Die Korkeichen und Pinien rund um Alcuzcuz, geschützte Dünenbereiche in Teilen von Los Monteros und Flächen, die den Bestimmungen des spanischen Küstengesetzes unterliegen, sind Beispiele dafür.
Entscheidend ist, genau zu prüfen, welcher Schutzstatus für welche Parzelle gilt und was dieser konkret bedeutet. Solche Schutzbestimmungen sind in der Regel langfristig angelegt. Dennoch beruhen auch sie auf gesetzlichen und planerischen Vorgaben, die sich grundsätzlich ändern können.
Stufe 3: Privat genutzte Freiflächen
Sie bieten häufig eine hohe praktische Sicherheit, sind aber etwas grundlegend anderes als rechtlich geschütztes Land.
Ein etablierter Golfplatz ist wirtschaftlich darauf ausgerichtet, als Golfplatz weitergeführt zu werden. Das schafft eine erhebliche Kontinuität und ist einer der Gründe, warum Immobilien in erster Golflinie so gefragt sind. Rechtlich ist ein privat betriebener Golfplatz jedoch nicht mit einem geschützten Naturraum gleichzusetzen.
Auch Golfplätze verändern sich. Als der Real Club de Golf Las Brisas 2014 von Kyle Phillips neu gestaltet wurde, wurden Spielbahnen, Bunker und Grüns verändert. Damit konnte sich auch der unmittelbare Ausblick einzelner umliegender Immobilien verändern.
Das spricht keineswegs gegen den Kauf in erster Golflinie. Es bedeutet lediglich, dass Sie wissen sollten, worauf die Beständigkeit Ihrer Aussicht tatsächlich beruht.
Stufe 4: Unbebautes Land
Die häufigste Situation und zugleich die mit der geringsten Sicherheit.
Die Aussicht ist heute frei, weil auf dem Grundstück davor noch nichts Wesentliches gebaut wurde. Vielleicht gelten dort strenge baurechtliche Beschränkungen. Vielleicht wartet das Grundstück aber auch lediglich auf einen Käufer oder das passende Bauprojekt. Eine eingeschossige Villa auf dem Nachbargrundstück kann abgerissen und durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Und ein Grundstück, das seit Jahren leer steht, kann trotzdem über erhebliche Baurechte verfügen.
In Gebieten mit starker Bautätigkeit rund um Marbella ist dies kein theoretisches Risiko. Teile der Hanglagen oberhalb der New Golden Mile, El Paraíso Alto sowie Straßen in Las Brisas und La Cerquilla zeigen, wie schnell sich ein vertrauter Ausblick verändern kann, wenn ältere Häuser durch größere zeitgenössische Villen ersetzt werden.
Die entscheidende Regel ist einfach: Wenn Ihre Aussicht davon abhängt, dass das Grundstück eines anderen so bleibt, wie es heute ist, sollten Sie wissen, warum. Und Sie sollten prüfen lassen, ob die planungsrechtliche Situation diese Annahme tatsächlich stützt.

Die fünf Prüfungen, auf die es wirklich ankommt
Es sind fünf, und keine davon ist besonders kompliziert.
Identifizieren Sie die relevanten Grundstücke. Klären Sie genau, welche Grundstücke zwischen Ihrer Immobilie und dem Horizont liegen. Nicht einfach das Land davor, sondern die einzelnen Parzellen, die für Ihre Sicht tatsächlich relevant sind.
Prüfen Sie die planungsrechtliche Situation. Ihr Anwalt oder Architekt sollte für jede dieser Parzellen feststellen, welche Einstufung und Nutzung gelten und welche Bebauung dort zulässig ist. Das gehört grundsätzlich zur üblichen Prüfung einer Immobilie. Der entscheidende Unterschied besteht darin, nicht nur das Grundstück zu untersuchen, das Sie kaufen, sondern auch diejenigen, von denen Ihre Aussicht abhängt.
Klären Sie, was dort maximal gebaut werden dürfte. Das ist die entscheidende Frage. Nicht was heute dort steht, was der Nachbar angeblich plant oder womit der Makler rechnet. Entscheidend ist, was nach den geltenden Vorschriften tatsächlich entstehen dürfte, wenn die zulässige Gebäudehöhe, bebaubare Fläche und das erlaubte Bauvolumen vollständig ausgeschöpft würden. Stellen Sie sich dieses Gebäude anschließend vor Ihrer Terrasse oder Ihrem Wohnzimmer vor.
Schauen Sie sich an, was in der Nachbarschaft bereits passiert ist. Die Planungsvorschriften zeigen Ihnen, was möglich ist. Die Entwicklung der Umgebung gibt Hinweise darauf, was wahrscheinlich sein könnte. Wenn in derselben Straße mehrere ältere Villen abgerissen und durch größere Neubauten ersetzt wurden, sollten Sie nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass die verbliebenen niedrigen Häuser dauerhaft so bleiben werden. Die jüngste Bautätigkeit in der unmittelbaren Umgebung kann ein wertvoller Hinweis darauf sein, was als Nächstes geschehen könnte.
Und vergessen Sie die Bäume nicht. Dieser Punkt wird erstaunlich häufig übersehen. Die Bepflanzung einer neuen Wohnanlage ist heute vielleicht noch jung, kann aber in fünfzehn Jahren mehrere Meter höher sein. Bäume auf einem Nachbargrundstück können in Ihre Sichtachse hineinwachsen, ohne dass Sie Einfluss auf ihren Rückschnitt oder ihre Entfernung haben. Umgekehrt kann eine gewachsene Landschaft einen wesentlichen Teil der Qualität einer Aussicht ausmachen. In Las Brisas beispielsweise prägt die über Jahrzehnte entstandene botanische Bepflanzung den Ausblick vieler Villen in erster Golflinie ganz wesentlich.
Das Ziel dieser Prüfung ist nicht, zu beweisen, dass sich eine Aussicht niemals verändern wird. Eine solche Garantie gibt es in den meisten Fällen nicht. Es geht darum zu verstehen, wovon Ihre Aussicht abhängt, bevor Sie entscheiden, welchen Aufpreis sie Ihnen wert ist.
Was eine Aussicht wirklich wert ist
Dabei gibt es zwei Seiten zu berücksichtigen.
Für eine geschützte Aussicht lohnt es sich, mehr zu bezahlen. Sie ist selten, lässt sich nachträglich nicht schaffen und altert nicht wie eine Küche, ein Badezimmer oder die Haustechnik. Ist der Ausblick durch die Topografie oder rechtlich geschützte Flächen weitgehend gesichert, bezahlen Sie nicht nur für das, was Sie heute sehen. Sie bezahlen auch für die deutlich größere Wahrscheinlichkeit, dass dieser Ausblick langfristig erhalten bleibt.
Bei einer ungeschützten Aussicht sollte man mit dem Aufpreis vorsichtiger sein. Hängt der freie Blick davon ab, dass ein Nachbargrundstück unbebaut bleibt, bezahlen Sie letztlich für einen Zustand, über den Sie keine Kontrolle haben. Trotzdem wird für einen solchen Ausblick häufig ein Aufpreis verlangt, als wäre er dauerhaft. Zwei Jahre später kann auf dem leeren Grundstück gebaut werden und aus einem vermeintlich langfristigen Vorteil wird ein vorübergehender.
Deshalb sollte man zwischen beiden sehr bewusst unterscheiden, auch wenn sich diese Unterscheidung nicht immer im Angebotspreis widerspiegelt. Ein spektakulärer Meerblick, der durch eine mögliche Bebauung gefährdet ist, und ein vielleicht etwas weniger dramatischer Ausblick, der langfristig gut geschützt ist, haben nicht denselben Wert.
Die bessere Immobilie ist nicht immer diejenige, die heute auf den Fotos am eindrucksvollsten aussieht.
Der Kompromiss, über den kaum jemand spricht
Die spektakulärsten Aussichten Marbellas findet man meist in erhöhter Lage. Und diese Höhenlage hat ihren Preis, nicht nur beim Kauf der Immobilie, sondern auch im Alltag.
Einige der besten Panoramen bieten Altos de los Monteros, El Paraíso Alto, die Hügel von Benahavís, Sierra Blanca und die höher gelegenen Teile des Golftals. Was diese Lagen gemeinsam haben, ist die Abhängigkeit vom Auto. Zum Strand, zum Einkaufen, zur Schule oder zum Abendessen fährt man in der Regel.
Für viele Käufer ist das ein vollkommen akzeptabler Tausch. Sie entscheiden sich bewusst für Ruhe, Privatsphäre und Aussicht und nehmen dafür längere Wege in Kauf. Für andere wird genau diese Abhängigkeit mit der Zeit zum Nachteil. Deshalb sollte man sich diese Frage vor dem Kauf stellen und nicht erst, wenn man dort lebt.
Die Alternative ist nicht zwangsläufig die schlechtere Immobilie. Ein Haus direkt am Strand bietet vielleicht kein Panorama über die gesamte Küste. Dafür liegt das Mittelmeer unmittelbar vor der Tür und vieles lässt sich zu Fuß erreichen.
Welche Variante die bessere ist, hängt weniger von der Aussicht selbst ab als davon, wie Sie in Marbella tatsächlich leben möchten. Unser Leitfaden zum Leben am Strand betrachtet diese andere Seite der Entscheidung.

Wann Sie die Aussicht beurteilen sollten
Eine Aussicht sieht nicht immer gleich aus. Tageszeit, Jahreszeit und Wetter können einen erstaunlichen Unterschied machen.
Tageszeit. Eine nach Westen ausgerichtete Terrasse kann am Abend wunderschön sein, an einem Augustnachmittag jedoch stundenlang in der prallen Sonne liegen. Bei einer Ostlage sieht die Situation ganz anders aus. Wenn Ihnen die Ausrichtung wichtig ist, besichtigen Sie die Immobilie möglichst zu der Tageszeit, zu der Sie die Terrasse später tatsächlich nutzen möchten, und nicht ausschließlich zu dem Zeitpunkt, an dem die Besichtigung angesetzt wurde.
Jahreszeit. Das Winterlicht in Marbella kann außergewöhnlich klar sein. Gerade außerhalb der Sommermonate reicht die Sicht an guten Tagen besonders weit Richtung Gibraltar und zu den Bergen Nordafrikas. Im Sommer können Hitze und Dunst dagegen selbst ein spektakuläres Panorama deutlich weniger klar erscheinen lassen. Ein gestochen scharfer Fernblick im Februar kann im August ganz anders aussehen.
Wetter. Windrichtung, Luftfeuchtigkeit, Bewölkung und Staub in der Atmosphäre können die Fernsicht von einem Tag auf den anderen erheblich verändern. Wer eine Immobilie nur einmal besichtigt, erlebt deshalb auch nur eine Momentaufnahme. Bei einer ernsthaften Kaufabsicht lohnt es sich, nach Möglichkeit ein zweites Mal bei anderen Bedingungen zurückzukehren.
Bautätigkeit. Schauen Sie sich bereits auf dem Weg zur Immobilie aufmerksam um. Kräne, Bauzäune, geräumte Grundstücke, Abrissarbeiten und Bauschilder können wichtige Hinweise auf bevorstehende Veränderungen in der Umgebung geben. Wird in Ihrer Sichtachse bereits gebaut, verlassen Sie sich nicht darauf, was in einem Exposé oder Verkaufsgespräch darüber gesagt wird. Prüfen Sie, was tatsächlich genehmigt wurde und wo sich das fertige Gebäude im Verhältnis zu Ihrer Immobilie befinden wird.

Was Sie prüfen sollten, bevor Sie für eine Aussicht zahlen
- Welche Parzellen zwischen der Immobilie und dem Horizont liegen.
- Deren planungsrechtliche Einstufung, bestätigt von Ihrem Anwalt oder Architekten und nicht vom Verkäufer.
- Was dort gebaut werden könnte bei maximal zulässiger Höhe und Dichte.
- Ob der Schutz topografisch, gesetzlich, private Freifläche oder gar keiner ist, und entsprechend bepreisen.
- Was Nachbarn zuletzt neu gebaut haben, als Hinweis auf das Kommende.
- Die Reife der Bepflanzung, sowohl was in die Aussicht hineinwächst als auch was sie ausmacht.
- Die Aussicht aus den Haupträumen, auf der Geschosshöhe, die Sie bewohnen werden, und nicht von der obersten Terrasse.
- Dieselbe Aussicht im Sommer um vier Uhr nachmittags, wegen Blendung und Hitze ebenso wie wegen des Ausblicks.
Häufige Fragen
Ist Meerblick in Marbella geschützt?
Selten durch etwas anderes als die Topografie. Ein Haus über abfallendem Gelände behält seine Aussicht dauerhaft; ein Haus mit Blick über unbebaute Parzellen behält sie, bis jemand baut. Klären Sie, welche Situation vorliegt, bevor Sie den Aufschlag zahlen.
Ist Golfblick so gut wie Meerblick?
Es ist ein anderes Produkt zu einem anderen Preis. Golfblicke sind grün, offen und angenehm, und Plätze sind in jeder praktischen Hinsicht dauerhafte Freifläche, wenn auch in Privatbesitz statt gesetzlich geschützt. Große Teile von Nueva Andalucía und El Paraíso Medio blicken auf Fairways statt auf Wasser.
Wie finde ich heraus, ob vor mir gebaut werden kann?
Ihr Anwalt oder Architekt prüft die kommunale Planungslage für die konkreten Parzellen zwischen Ihnen und dem Horizont. Das dauert Tage, nicht Monate, und es ist die wertvollste Einzelabfrage beim Kauf wegen einer Aussicht.
Beeinflussen Bäume die Aussicht?
Erheblich, und in beide Richtungen. Junge Bepflanzung in einem Neubaugebiet wird in fünfzehn Jahren deutlich höher sein und kann eine Aussicht schließen. Ebenso kann eine gewachsene Landschaft der Grund sein, warum eine Aussicht schön ist, wie in Las Brisas, wo sechzig Jahre alte Bepflanzung das ist, worauf die Villen in erster Linie blicken.
Welche Gebiete Marbellas haben die besten Aussichten?
Für offene Panoramen mit Meer, Küste und Bergen die Hanglagen: Altos de los Monteros, El Paraíso Alto, die Hügel von Benahavís einschließlich La Zagaleta und Alcuzcuz, Sierra Blanca und das obere Golftal. Alle erfordern für den Alltag ein Auto.
Ist eine Aussicht den Aufschlag wert?
Eine geschützte in der Regel ja, weil sie sich nicht schaffen lässt und ihren Wert hält, während Ausstattung veraltet. Eine ungeschützte ist meist weniger wert, als der Markt verlangt, denn Sie zahlen einen dauerhaften Preis für etwas, das von der Untätigkeit eines Nachbarn abhängt.
Unsere Einschätzung
ine der wichtigsten Prüfungen in diesem Leitfaden kostet vergleichsweise wenig: Klären Sie, was zwischen Ihrer Immobilie und dem Horizont tatsächlich gebaut werden darf.
Erstaunlich ist, wie häufig genau das übersehen wird. Käufer zahlen erhebliche Aufpreise für eine besondere Aussicht. Wie gut dieser Ausblick langfristig geschützt ist, lässt sich jedoch oft bereits durch eine planungsrechtliche Prüfung der relevanten Grundstücke wesentlich besser einschätzen. Ein ortskundiger Anwalt oder Architekt kann diese Informationen für Sie prüfen. Vielleicht wird dieser Schritt so häufig ausgelassen, weil eine Aussicht zunächst emotional wirkt und die Frage, was sie eines Tages beeinträchtigen könnte, nicht besonders gut zu diesem Moment passt.
Unsere Haltung ist einfach. Für eine Aussicht, die durch die Topografie oder rechtlich geschützte Flächen weitgehend gesichert ist, darf man einen entsprechenden Aufpreis bezahlen. Ein solcher Ausblick ist selten und gehört zu den wenigen Eigenschaften einer Immobilie, die sich später weder renovieren noch neu schaffen lassen. Vorsichtiger sollten Sie bei einer Aussicht sein, die davon abhängt, dass ein unbebautes Nachbargrundstück auch in Zukunft unbebaut bleibt. Dieses Grundstück gehört jemand anderem, hat einen eigenen Wert und kann eines Tages entwickelt werden.
Es geht also nicht um den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Aussicht. Es geht darum, ob Sie nur für das bezahlen, was Sie heute sehen, oder ob Sie auch verstehen, wie wahrscheinlich es ist, dass dieser Ausblick erhalten bleibt.
Und noch ein letzter Rat: Besichtigen Sie die Immobilie im August noch einmal um vier Uhr nachmittags. Die Aussicht kann immer noch spektakulär sein. Die entscheidende Frage ist, ob Sie die Terrasse dann genauso lieben.

Immobilien mit Aussicht entdecken
Wenn die Aussicht für Sie ein wichtiger Teil der Kaufentscheidung ist, lohnt sich ein genauerer Blick auf das, was vor der Immobilie liegt. Wir helfen Ihnen, Immobilien mit außergewöhnlichen Ausblicken zu finden und einzuschätzen, wie gut diese langfristig geschützt sind und welche Veränderungen in der Umgebung möglich wären.
Denn die beste Aussicht ist nicht unbedingt die spektakulärste. Es ist die, bei der Sie wissen, wofür Sie bezahlen.




